Informationen zum Integrationstest von Caritas

Scheidung, Verlust der Arbeitsstelle oder Krankheit können fast jeden treffen. Doch wie viel braucht es, bis das Eis bricht?
Der Integrationstest basiert auf der Überlegung, dass die Lebenssituation nicht alleine eine wirtschaftliche Dimension hat, sondern dass alle Ressourcen berücksichtig werden müssen, die eine Person oder ein Haushalt zur Verfügung hat. Dabei werden zwei theoretische Betrachtungsweisen verknüpft: Erstens interessiert, wie viele Ressourcen eine Person oder ein Haushalt im Vergleich zu gesellschaftlichen Standards hat. Zweiten muss danach gefragt werden, wie denn die tatsächliche Versorgungslage einer Person aussieht.

Eindeutige finanzielle Hinweise auf eine prekäre Lage sind geringes Einkommen, permanent überzogenes Konto oder Verschuldung ohne Rückzahlungsmöglichkeit. Nichtfinanzielle Indikatoren sind beispielsweise Suchtverhalten, längere Krankheit, geringe Arbeitsplatzsicherheit, längere Arbeitslosigkeit, schlechte Schul- oder Berufsbildung, beengte Wohnverhältnisse, wenige soziale Kontakte, zerrüttete Familienverhältnisse oder ein unsicherer Aufenthaltsstatus.

Der französische Sozialhistoriker Robert Castel hat zu dieser mehrdimensionalen Betrachtungsweise ein wertvolles Koordinationssystem geschaffen, auf welchem das vorliegende Gitternetzmodell von Caritas aufbaut. Mit dem Diskussionspapier „Auf dünnem Eis. Menschen in prekären Lebenslagen“* wurde erstmals in der Schweiz die Prekarität konsequent als mehrdimensionale Lebenslage betrachtet. Eigens dafür wurde das Gitternetzmodell mit verschiedenen Indikatoren entwickelt, die aufzeigen, wo eine Person Stärken oder Schwächen aufweist..
*Katja Walser, Carlo Knöpfel
Auf dünnem Eis
Menschen in prekären Lebenslagen

Diskussionspapier 20
Luzern, 2007
155 Seiten, Fr. 24.–, broschiert
ISBN 978-3-85592-115-7

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